Rechtsschutz für Selbständige und Firmen

40 % aller privaten Haushalte verfügen über eine Rechtsschutzversicherung. Genauso wichtig ist der Rechtsschutz für Selbständige und Firmen. Im Privatrechtsschutz von Verbrauchern geht es vorwiegend um Gewährleistungsrechte aus Kauf- und Dienstleistungsverträgen, um Beanstandungen bei Reparaturen von Handwerkern oder Streit um den Werklohn. Die Fälle machen einen Anteil von 32 % aller in der Rechtsschutzversicherung gemeldeten Fälle aus. Rechtsstreitigkeiten im Arbeitsrecht haben einen Anteil von ci. 16 % (Quelle GDV 2016).

Als Selbständiger und Unternehmer stehen Sie als Verkäufer, Dienstleister oder Arbeitgeber auf der anderen Seite des Geschehens. Müssen Sie sich gegen aus Ihrer Sicht unbegründete Forderungen wehren, hilft Rechtsschutz für Selbständige und Firmen. Gerade weil rechtsschutzversicherte Bürger mit einer Rechtsschutzversicherung im Rücken wenig Scheu vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung haben, sollten Sie mit einer eigenen Rechtsschutzversicherung Paroli bieten können.

Was ist Rechtsschutz für Selbständige und Firmen?

Verstehen Sie die Bezeichnung „Rechtsschutz für Selbständige und Firmen“ zunächst als Oberbegriff. Sind Sie selbstständig tätig, kommt es darauf an, in welchem Umfang Sie aktiv sind. Rechtsschutzversicherungen bestehen außerdem aus verschiedenen Bauteilen. Je nach Ihrer individuellen Situation können Sie sich unterschiedlich versichern. Die Versicherungsbedingungen der Versicherer sind insoweit nicht ganz einfach zu verstehen. Die Struktur besteht zunächst darin, dass Sie den Privatrechtsschutz für Nichtselbstständige und den Privatrechtsschutz für Selbstständige unterscheiden müssen. Diese Basisabsicherung wird dann jeweils um den Berufsrechtsschutz und den Verkehrsrechtsschutz sowie je nach Versicherer um weitere Versicherungsmodule ergänzt.

Die häufigsten Streitpunkte

Typische Rechtsschutzfälle sind: …

    Rechtsstreit mit der Sozialversicherung über die Höhe der Beiträge für die Kranken- oder Rentenversicherung.
  • Rechtsstreit mit dem Finanzamt über die Absetzbarkeit von Betriebsausgaben.
  • Ein Bewerber fühlt sich wegen seines Alters oder Geschlechts diskriminiert.
  • Ihr Arbeitnehmer erhebt gegen Ihre Kündigung Kündigungsschutzklage.
  • Ihr Außendienstler verursacht ein Verkehrsunfall. Sie streiten über die Schuldfrage.
  • Die Gewerbeaufsicht behauptet einen Verstoß gegen die Gewerbeordnung.
  • Ihr Kunde behauptet einen Sachmangel. Sie leiten ein Beweissicherungsverfahren ein.

Leistungen einer Rechtsschutzversicherung im Bereich Selbstständige und Firmen

Für Selbstständige gibt es den: …

  • Privatrechtsschutz für Selbstständige
  • Berufsrechtsschutz für Unternehmen und freie Berufe
  • Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutz für Unternehmen und freie Berufe

Privatrechtsschutz für Selbstständige

Im Privatrechtsschutz für Selbstständige besteht Versicherungsschutz, wenn Sie eine gewerbliche, freiberufliche oder sonstige selbständige Tätigkeit ausüben. Dann haben Sie Versicherungsschutz für den privaten Bereich sowie für Ihren beruflichen Bereich in Ausübung einer nicht selbständigen Tätigkeit. In den Versicherungsbedingungen finden Sie dieses Angebot meist unter § 23.

Sie gelten als selbstständig, wenn Ihr Gesamtumsatz des Vorjahres eine bestimmte Bagatellgrenze überschreitet. Sie liegt bei den meisten Versicherern bei 50.000 €. Bleibt der Gesamtumsatz unter dieser Grenze, können Sie die im Regelfall billigere Privat- und Berufsrechtsschutzversicherung für Nichtselbstständige abschließen. In diesem Fall dürfen Sie Ihre selbständige Tätigkeit weiterhin ausüben, müssen allerdings unter der vorgegebenen Umsatzgrenze bleiben.

Ihre Rechtsschutzpolice für Selbstständige wandelt sich in eine Privatrechtsschutzpolice für Nichtselbstständige um, wenn Sie während der Laufzeit Ihre selbstständige Tätigkeit aufgeben oder Ihr Jahresumsatz unter die vorgegebene Grenze fällt. Den einbezogenen Arbeitsrechtsschutz können Sie, wenn Sie ausschließlich selbstständig tätig sind und keinen Arbeitnehmer beschäftigen, ausschließen.

Wer ist versichert?

Mitversichert sind Ihr ehelicher oder eingetragener oder laut Melderegister mit Ihnen in häuslicher Gemeinschaft wohnender sonstiger Lebenspartner. Einbezogen sind außerdem Ihre minderjährigen Kinder sowie Ihre volljährigen Kinder, soweit sie mit Ihnen in häuslicher Gemeinschaft leben und von Ihnen unterhalten werden. Auch Ihr mit Ihnen in häuslicher Gemeinschaft lebender alleinstehender Elternteil sowie der Elternteil Ihres Ehepartners oder mitversicherten Lebenspartners sind versichert.

Was ist versichert?

Im Übrigen erfasst der Versicherungsschutz alle in Betracht kommenden Rechtsbereiche wie beispielsweise Schadenersatzrechtsschutz, Rechtsschutz im Vertragsrecht, Strafrechtsschutz, Ordnungswidrigkeiten-Rechtsschutz oder den Beratungsrechtsschutz im Familien-, Lebenspartnerschafts- und Erbrecht. Auch die telefonische Rechtsberatung ist meist einbezogen. Ausgeschlossen ist der Verkehrsrechtsschutz, den Sie als zusätzlichen Baustein einbeziehen können.

Firmenrechtsschutz für Unternehmen und freie Berufe

Der Berufsrechtsschutz für Unternehmen und Freiberufler geht über den Privatrechtsschutz für Selbstständige insoweit hinaus, als er die von Ihnen beschäftigten Personen in Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit einbezieht.
Versichert sind also Sie selbst, Ihre mitarbeitenden Familienangehörigen, Ihr Geschäftsführer als gesetzlicher Vertreter Ihres Unternehmens, Ihre unselbständigen Arbeitnehmer und Ihre freien Mitarbeiter, soweit sie in Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit für Ihren Betrieb handeln. Subunternehmer sind nicht versichert, da sie zu Ihnen in keinem Beschäftigungsverhältnis stehen. In den Versicherungsbedingungen finden Sie dieses Angebot meist unter § 24.

Zusätzlich können Sie den Verkehrsrechtsschutz einbeziehen, so dass auch Probleme im Zusammenhang mit den auf Ihren Betrieb zugelassenen Fahrzeugen abgedeckt sind (§ 26 ARB).

Leistungen einer Firmenrechtsschutzversicherung für Selbständige und Firmen

Im Rechtsschutzfall (z.B. Kündigungsschutzklage) übernimmt der Versicherer die Kosten für Ihren Anwalt und die Gerichtsgebühren. Sie zahlt Zeugengeld und den Kostenaufwand für einen eventuellen Sachverständigen. Der wesentliche Unterschied im Arbeitsgerichtsprozess gegenüber einem Zivilprozess besteht darin, dass Sie in der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht Ihre Anwaltskosten stets selbst tragen müssen, auch wenn Sie den Prozess gewinnen. Auch Ihr Gegner trägt seine Anwaltskosten selbst.

Für wen ist diese Rechtsschutzversicherung sinnvoll?

Ihr Motto „Jahrelang ist nichts passiert“, könnte schnell im Fiasko münden. Denn Verbraucher sind heutzutage gut über ihre Rechte informiert. Oft schießen sie über das Ziel hinaus. Rechtsstreitigkeiten scheinen an der Tagesordnung. Möchten Sie sich gegen unberechtigte Forderungen wirksam zur Wehr setzen, sollten Sie sich rechtsschutzversichern. Die Vorteile des Versicherungsschutzes bestehen darin, dass Sie sich nicht mit unnötigen Streitigkeiten auseinandersetzen müssen. Sie übertragen das Problem Ihrem Rechtsanwalt und verdienen Ihr Geld dort, wo Sie selbst produktiv tätig sind.

Welche Unterschiede gibt es bei Rechtsschutzversicherungen für Selbstständige und Firmen?

Der Markt ist schwierig zu überblicken. Kein Unternehmen ist wie das andere. Möchten Sie Angebote vergleichen, sollten Sie mit Ihren Daten mehrere Anbieter prüfen oder einen Versicherungsmakler beauftragen. Perfekte Rundum-Sorglos-Pakete gibt es nicht. Kein Firmenrechtsschutz bietet vollen Kostenschutz. Es gibt Ergänzungen, Wartezeiten und Versicherungslücken.

Berufsrechtsschutz für Selbstständige und Firmen ohne Wartezeit – Gibt’s das?

In der Regel müssen Sie drei Monate Wartezeit einhalten. Die Wartezeit bezieht sich auf den Beginn des Rechtsstreits. Sie sind nur versichert, wenn sich Ihre Streitigkeit nach Ablauf der Wartezeit ereignet. Ist ein Rechtsstreit offenkundig, wäre es ungerecht, wenn Sie sich dann mal eben noch versichern und dem Rechtsschutzversicherer die Kosten aufbürden könnten. Eine Wartezeit kann ausnahmsweise dann entfallen, wenn Sie die Versicherung wechseln und Sie bereits vorher rechtsschutzversichert waren.

Die besten Tarife bei Rechtsschutz für Selbstständige und Firmen

Die Versicherungsangebote sind sehr unterschiedlich. Was der eine Versicherer anbietet, schließt der andere aus oder modifiziert die Leistung. Sie müssen für sich individuell entscheiden, welche Einzelleistung Ihnen wichtig ist. Mit der Höhe der Selbstbeteiligung können Sie die Prämie steuern. Die Prämie lässt sich auch insoweit verringern, als Sie die Versicherungssumme in der Höhe begrenzen. Entscheiden Sie für sich, ob Sie beispielsweise Verwaltungsrechtsschutz von den Verwaltungsgerichten benötigen oder auf den Steuerrechtsschutz verzichten wollen.

Was deckt die Rechtsschutzversicherung Selbstständige und Firmen nicht ab?

Über die allgemeinen Leistungsausschlüsse hinaus schließen die Versicherungsbedingungen ausdrücklich Ansprüche aus kollektivem Arbeits- und Dienstrecht aus. Kein Versicherungsschutz haben Sie auch, wenn es um Rechtsstreitigkeiten aus dem Recht der Handelsgesellschaften (Sie klagen Ihre Provision als Handelsvertreter ein) oder aus Anstellungsverhältnissen gesetzlicher Vertreter juristischer Person geht (Ihr GmbH-Geschäftsführer klagt gegen seine Kündigung). Patent-, Urheber-, Markenzeichen-, Geschmacksmuster und Rechte aus geistigem Eigentum sowie kartell- und wettbewerbsrechtliche Streitigkeiten schließt der Versicherungsschutz gleichfalls aus. Verwaltungsrechtliche Streitigkeiten im Zusammenhang mit Umweltschutzproblem sind allenfalls gesondert versicherbar. Ausgeschlossen sind auch Ansprüche, die vor Ablauf der vereinbarten Wartezeit eintreten sowie Ansprüche, die unterhalb Ihrer vereinbarten Selbstbeteiligung liegen.

Hinweis:
Unsere Texte wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Wir übernehmen dennnoch keine Garantie für den Inhalt. Die Lektüre ersetzt nicht die juristische Beratung im Einzelfall.

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