Welche Versicherungen sollten Eltern für ihre Kinder abschließen?
Zunächst einmal sollten sie sich selbst absichern. Eine Risikolebensversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung der Eltern schützen die ganze Familie vor massiven Einkommensverlusten im Notfall.
Muss die Berufsunfähigkeitsversicherung wirklich sein? Sie ist teuer.
Sie ist sehr wichtig. Wird beispielsweise der Hauptverdiener berufsunfähig und es ist nicht vorgesorgt, sprengt das wohl jedes Budget einer jungen Familie. Ein sozialer Abstieg ist dann vorprogrammiert. Das Geld für eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte jede Familie aufbringen, und sei es durch Konsumverzicht.
Stefanie Kühn
Was halten Sie denn von den Rundum-Sorglos-Paketen, die manche Versicherungen für Kinder geschnürt haben?
Man muss sich das im Einzellfall anschauen, aber meist steckt mehr drin, als man braucht. Zum Beispiel ergibt eine Ausbildungsversicherung aus meiner Sicht keinen Sinn.
Ein Studium ist teuer. Ist es nicht richtig, dafür Geld zurückzulegen?
Doch, sicher. Aber nicht mit einer Ausbildungsversicherung. Das ist eine Kapital-Lebensversicherung. Die Rendite ist schlecht, die Flexibilität fehlt. Sparen und Absicherung sollte man daher lieber trennen.
Zu den Versicherungspaketen für Kinder gehört meistens auch eine Invaliditätsversicherung. Sinnvoll?
Das kommt darauf an. Viele können sich die relativ teure Invaliditätsversicherung nicht leisten. Wenn nach Absicherung der Berufsunfähigkeit und des Todesfalles der Eltern noch ausreichend monatliche Überschüsse vorhanden sind, kann man darüber nachdenken. Günstiger ist eine Unfallversicherung, die zumindest das Unfall- und Vergiftungsrisiko abdeckt. Eine Unfallversicherung ohne viel Schnickschnack genügt vollauf. Das kostet deutlich weniger als 100 Euro im Jahr. Achten Sie für die Kinder darauf, dass Stürze als Unfall zählen. Oft wird übrigens eine vermeintlich attraktive Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr angeboten – aber auch das ist nur eine verdeckte Lebensversicherung. Darauf kann man ebenso verzichten wie auf Krankenhaustagegeld fürs Kind. Die Stiftung Warentest vergibt Bewertungen der Unfallversicherungen, daran kann man sich gut orientieren.
Und wie sieht es aus mit privaten Krankenzusatzversicherungen?
Wenn ein Kind wirklich schwer krank ist, wünschen sich wohl alle Eltern, dass sie alle Möglichkeiten ausschöpfen können. Dazu zählt eben auch die Spezialistenbehandlung. Für die Kinder ist auch eine Zusatzversicherung der Zähne, die für Kieferorthopädie zahlt, gut.
Fassen wir zusammen: Risikolebensversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung für die Eltern, dazu eine Unfallversicherung und unter Umständen private Ergänzungen zur Krankenversicherung fürs Kind – das wäre das wichtigste. Mehr Versicherung braucht der Nachwuchs nicht?
So ist es.
Und wie sorgen Eltern dafür, dass später mal fürs Studium genug Geld da ist? Von der Ausbildungsversicherung haben Sie ja abgeraten.
Es genügt zu sparen. Je nachdem, womit man sich wohlfühlt, kann man zum Beispiel in ein Festgeldkonto einzahlen oder einen Fondssparplan abschließen. Aber nur, wenn wirklich Geld am Monatsende übrig ist.
Sparen auf Kredit ist ein Fehler?
"Finanzratgeber für Eltern"
Auf jeden Fall.
Wie viel sollte man denn anlegen?
Das Sparziel sollte bei 40.000 bis 50.000 Euro pro Kind liegen, damit lässt sich ein Studium gut unterstützen. Wie Sie das erreichen, hängt natürlich von der Anlageform ab – ein Fonds kann bessere Renditen abwerfen, als ein festverzinstes Konto, andererseits riskiert man mit dem Fonds auch, Geld zu verlieren, wenn die Börse schlecht läuft.
Für die regelmäßige Geldanlage empfiehlt sich vermutlich ein Sparplan? Es sind ja zahlreiche Produkte auf dem Markt, darunter auch viele Fonds-Sparpläne.
Sparpläne sind eine hervorragende Möglichkeit, im Aktienbereich zu investieren. Aber die Eltern sollten wirklich die Anlageform wählen, mit der sie gut leben können.
Was bringt es denn konkret unterm Strich, 100 Euro im Monat zu sparen?
Das hängt von der Anlageform ab; die Ergebnisse können sehr unterschiedlich ausfallen. Als Beispiel: Wer 18 Jahre lang Monat für Monat 100 Euro spart und die Summe mit jährlich drei Prozent verzinst, erhält am Ende rund 28.500 Euro. Schön ist natürlich auch, wenn zu Beginn ein Startkapital als Grundstock eingezahlt werden kann – vielleicht als Beitrag der Großeltern. Das wirkt sich durch den Zinseszinseffekt auf das Sparergebnisstark aus.
Die meisten Familien sparen doch ohnehin. Warum sollen sie Konten extra für die Kinder anlegen?
Viele Menschen finden diese Trennung psychologisch richtig. So können sie sich besser vor Augen führen, was sie für welchen Zweck zur Seite legen. Jedoch: Wenn die Familie ein Haus kauft, ist es völlig in Ordnung, auch auf das Geld zurückzugreifen, das eigentlich für die Ausbildung der Kinder gespart wurde. Die Alternative wäre ja, einen höheren Kredit für das Haus aufzunehmen. Aber Sparen auf Pump ist Unsinn.
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Viele Eltern lassen das Konto oder den Fonds gleich auf den Namen des Kindes laufen.
Dann kommen die Eltern an das Geld nicht mehr ran, wenn das Kind 18 ist. Das sollte man sich vorher gut überlegen. Steuerlich kann das sinnvoll sein, um die Freibeträge auszunutzen, die eben auch für Kinder gelten. Aber das Ersparte gehört dann wirklich dem Kind, und es kann ab seiner Volljährigkeit damit machen, was es will. Ich habe schon erlebt, dass junge Menschen das Geld dann lieber für ein teures Auto ausgegeben haben, anstatt damit das Studium zu finanzieren.
Dumm gelaufen. Dann vielleicht lieber eine private Rentenversicherung fürs Kind abschließen, wozu viele Versicherer raten? Da kann das Kind dann erst mit Mitte 60 ran.
Eben, und die Perspektive erscheint mir denn doch ein bisschen lang. Natürlich ist es nett von den Eltern, wenn sie für die Rente der Kinder mitsparen wollen, aber ein vorzeitiger Zugriff wäre doch sinnvoll, um die diversen Ausgaben auf dem Weg zur Rente zu sichern.
Wie wäre es stattdessen mit einem Bausparvertrag? Das ist ebenfalls ein beliebtes Modell.
Die Verzinsung kann ganz ordentlich sein, wenn man alle staatlichen Förderungen ausnutzt. Ab dem Alter von 16 Jahren bekommen Jugendliche die Wohnungsbauprämie vom Staat; das kann man mitnehmen. Wichtig ist es , den Tarif so zu wählen, dass es um das Ansparen geht und nicht um das Anrecht auf einen günstigen Baukredit. Die Bausparsumme sollte außerdem so gering wie möglich sein, denn die Abschlussgebühr wird prozentual berechnet.
Welcher Zeitpunkt ist grundsätzlich der beste, um mit dem Sparen fürs Kind anzufangen?
So früh wie möglich. Jedoch - wenn das Geld mal knapp ist, dann machen Sie eben eine Weile Pause mit dem Sparen. Oder wenn man’s in den ersten Jahren verpasst hat, beginnt man eben später, am besten mit höheren Sparbeträgen. Hauptsache ist, dass überhaupt gespart wird.
Oft wollen ja auch Oma und Opa mit für die Zukunft der Enkel sorgen.
Das ist doch schön. Dann können sie beispielsweise die Beiträge für die Unfallversicherung übernehmen oder in einem Fonds Geld für die Ausbildung zurücklegen, statt ausschließlich Spielzeug zu kaufen.
Na ja, aber die Kinder möchten doch gern Geschenke zum Anfassen...
Dann weiß ich eine schöne Alternative: Goldmünzen.
Stefanie Kühn ist Honorarberaterin im bayrischen Grafing bei München. Sie wurde in den vergangenen Jahren regelmäßig im Rating der Zeitschrift Euro unter den Top 100 der Finanzberater Deutschlands gelistet. Stefanie Kühn ist Autorin einer Reihe von Sachbüchern zu Finanzthemen, darunter der „Finanzratgeber für Eltern“ sowie „Ein Mann ist kein Vermögen“.
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