Rechtschutzversicherungen – Alles was Sie beachten sollten!

Was ist eine Rechtsschutzversicherung?


Recht haben und recht bekommen sind leider häufig zwei völlig unterschiedliche Paar Stiefel – jeder, der schon einmal einen Rechtsstreit ausfechten musste, kann ein Lied davon singen. Anwaltskosten und Gerichtskosten können leicht in unermessliche Höhen steigen, so dass sich eine unversicherte Privatperson einen kostspieligen Rechtsstreit meist gar nicht leisten kann. Im Jahr 2013 wurden zudem die Gebührensätze für Anwälte teilweise kräftig erhöht, was mittlerweile viele Menschen ohne Versicherung davon abhält, ihr gutes Recht durchzusetzen.

Eine Rechtschutzversicherung schafft hier Sicherheit. Gegen eine monatliche oder jährliche Gebühr bietet die Versicherung Schutz bei vielen gängigen Rechtsproblemen. Egal ob es sich um Streitigkeiten im Privatbereich (z.B. Verträge, Steuern, Erbschaft, Schadenersatz), Beruf (Kündigungen, Abmahnungen, schlechtes Arbeitszeugnis), Verkehr (Schadenersatz, Führerscheinentzug) oder Mietsachen handelt, fast jeder Bereich ist versicherbar. Dabei legt die Versicherung in ihren Geschäftsbedingungen genau fest, für welchen Rechtsfall sie welche Kosten übernimmt, und welche nicht. Auch die maximale Höhe der Kostenübernahme ist geregelt.

Bezahlt werden in der Regel Anwaltsgebühren, Gerichtskosten, Zeugengelder und Sachverständigenhonorare. Auch die Kosten des Gegners werden von der Versicherung erstattet, wenn der Versicherungsnehmer diese übernehmen muss, weil der den Prozess verloren hat. Allerdings sind die Beiträge für eine Rechtschutzversicherung auch nicht immer ein Schnäppchen: zwischen knapp über 200 EUR bis mehr als 450 EUR muss man für ein Komplettpaket, bei dem die ganze Familie mitversichert ist, im Jahr bezahlen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Höhe der Selbstbeteiligung, die in der Regel zwischen 150 und 250 EUR pro Schadenfall liegt. Lässt man diese weg, wird die Versicherungsprämie noch deutlich teurer.

Welche Arten von Rechtsschutzversicherungen gibt es?

Rechtschutzversicherungen bieten ihre Leistungen in der Regel nicht alle auf einmal an, sondern man muss sich ein Paket aus den gewünschten Teilbereichen zusammenstellen. Manch einer benötigt nur einen Verkehrsrechtschutz, ein anderer möchte im privaten Bereich gut versichert sein. Die Versicherungen sind diesbezüglich sehr flexibel und ermöglichen über Online-Konfigurationsprogramme eine exakte Anpassung der Leistungen und Beiträge an die persönlichen Bedürfnisse. Die meisten Versicherungen teilen ihre Leistungen zunächst in vier große Bereiche auf:

Private-Rechtsschutzversicherung

Hier geht es um einen Großteil der Rechtsfälle, mit denen Sie als Privatperson zu tun bekommen könnten. Das sind überwiegend Streitigkeiten aus Vertragsangelegenheiten, aber auch Schadenersatzansprüche, Streitigkeiten mit Ämtern und Behörden, sowie Rechtschutz bei Ordnungswidrigkeiten und bestimmten Straftatbeständen.

Verkehrs-Rechtsschutz

Beim Verkehrs-Rechtschutz dreht sich alle um das Kraftfahrzeug und den Straßenverkehr. Egal, ob es um Kaufverträge oder Streitigkeiten mit der Werkstatt geht, oder um Schadenersatzansprüche bei Verkehrsunfällen – hier hilft in den meisten Fällen die Versicherung. Auch bei Problemen mit dem Finanzamt, oder natürlich wenn Sie einer Ordnungswidrigkeit oder gar einer Straftat im Straßenverkehr beschuldigt werden, ist die Verkehrs-Rechtschutzversicherung zuständig.

Berufs-Rechtsschutz

Auch im Beruf kann es zu Rechtsproblemen kommen. Außer dem schlimmsten Fall, einer Kündigung, kann es beispielsweise auch wegen eines schlechten Arbeitszeugnisses zu Rechtsstreitigkeiten mit dem Arbeitgeber kommen. Und auch bei vielen weiteren Rechtsproblemen rund um Arbeit und Beruf greift die Berufs-Rechtschutzversicherung.

Wohn-Rechtsschutz

Für Mieter kann es schnell zu rechtlichen Problemen mit dem Vermieter kommen. Nicht nur die Räumungsklage erfordert einen guten Anwalt, auch Mieterhöhung, Kündigung oder nachbarschaftsrechtliche Streitigkeiten sollten genauso gut versichert sein, wie beispielsweise Streitigkeiten über Mietverträge. Da dies ein großer Bereich ist, bieten die Versicherungen die Wohn-Rechtschutzversicherung meist als separates oder hinzu buchbares Paket an.

Spezielle Rechtsschutzversicherungen

Zusätzlich zu diesen gängigen Versicherungen gibt es noch Spezialtarife für bestimmte Personengruppen, so zum Beispiel für Selbständige und Gewerbetreibende, Schüler, Studenten und Auszubildende, Senioren und für Vermieter und Wohnungseigentümer. Alle diese Gruppen benötigen speziellen Versicherungsschutz, der mit solchen Tarifen optimal abgedeckt ist. Allerdings können die Kosten je nach Risiko auch deutlich höher als beim Standard-Rechtschutz ausfallen.

Rechtsschutzversicherungen im Test

Um sich im Dschungel der vielfältigen Angebote zurechtzufinden, können Testberichte äußerst hilfreich sein. Beispielsweise testet die Zeitschrift Finanztest regelmäßig Rechtschutzversicherungen auf Eigenschaften, Qualität und Verbraucherfreundlichkeit. Im Jahr 2014 hat Finanztest 55 Tarife der Versicherer unter die Lupe genommen, 22 davon waren empfehlenswert. Die Testsieger waren:

Allrecht / Deurag „Privat“

Dieser Tarif deckt zu einem günstigen Preis die Bereiche Privat, Beruf und Verkehr ab. Der Leistungsumfang ist groß, und die Deckungssummen sind im oberen Bereich angesiedelt. Durch eine Selbstbeteiligung wird der Beitrag niedrig gehalten. Spezieller Straf-Rechtschutz ist nicht enthalten, bzw. kostet extra.

DAS „Premium“

Etwas höherpreisig, dafür aber mit sinnvollen Extras wie z.B. telefonische Erstberatung, Mitversicherung von selbst genutzten Wohneinheiten in ganz Europa, Kapitalanlagen bis 20.000 EUR und Beratung bei Testamentserstellung

Arag „Aktiv Premium“

Wie der Name schon sagt – ein Premium Tarif mit entsprechendem Preis, dafür sind aber auch sehr komfortable Extras geboten wie Übernahme von außergerichtlichen Mediationskosten, Schutz bei Ordnungswidrigkeiten, Beratung bei Insolvenzverfahren und Studienplatzklagen.

HDI / Roland „Kompakt Plus“

Dies ist ein preiswerter Tarif, der sich durch verschiedene Bausteine zum perfekt abgestimmten Versicherungsschutz zusammenstellen lässt. In der getesteten Variante glänzt er durch ein hervorragendes Preis- Leistungsverhältnis, das sich keine wesentlichen Schwächen leistet.

Auf was sollte bei Rechtsschutzversicherungen geachtet werden?

Vor dem Abschluss einer Rechtschutzversicherung sollte man die Tarifdetails genauestens studieren, damit die persönlichen Bedürfnisse auch wirklich abgedeckt werden. Wichtige Punkte sind:

Beitrag, Zahlweise und Selbstbeteiligung

Zunächst ist natürlich der Versicherungsbeitrag entscheidend. Hier gilt es, den optimalen Kompromiss zwischen Kosten und den gewünschten Leistungen zu finden. Durch die Wahl einer Selbstbeteiligung, die üblicherweise bei 150 oder 250 EUR pro Schadenfall liegt, lassen sich die Beiträge deutlich senken. Sie müssen aber dann einplanen, bei jedem eingetretenen Schaden die Höhe der Selbstbeteiligung selbst zu bezahlen. Nur was darüber hinaus geht, übernimmt die Versicherung.
Auch eine vierteljährliche oder jährliche Zahlweise statt der monatlichen kann Kosten sparen, denn viele Versicherungen gewähren dann Rabatt.

Deckungssumme

Selbstverständlich sind auch die gebotenen Deckungssummen entscheidend und können je nach Tarif durchaus unterschiedlich ausfallen. Man sollte nicht unterschätzen, dass die Kosten eines Rechtsstreits in exorbitante Höhen klettern können.

Ausschlüsse

Manche Versicherer schließen bestimmte Schadenfälle explizit aus. Hier gilt es genau abzuwägen, ob man mit einem solchen Fall eventuell doch rechnen muss, oder ob das ohnehin unwahrscheinlich ist – dann lässt sich unter Umständen einiges an Geld sparen.

Zusatzleistungen und außergerichtliche Kosten

Bei den Zusatzleistungen unterscheiden sich die Tarife der Versicherer teilweise erheblich. Ein ganz wichtiges Kriterium ist die Frage, ob die Versicherung auch außergerichtliche Kosten übernimmt. Einfache Tarife bieten nämlich nur eine Erstattung der Kosten einer Gerichtsverhandlung an. Sehr viele Rechtsstreitigkeiten werden jedoch im Vorfeld über die Anwälte ausgetragen und oft auch gelöst. Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass dies immer mitversichert ist.
Auch Zusatzleistungen wie kostenlose telefonische Anwaltsberatung oder die Übernahme von Mediationskosten (was oft Anwalt und Gericht ersparen kann) können äußerst sinnvoll sein.

Wartezeiten

Bei Berufs-, Privat- und Mietrechtschutz gibt es meistens Wartezeiten von 3 Monaten, bevor die Versicherung leistet. Das heißt, Schadensfälle, die in den ersten drei Monaten nach Vertragsabschluss eintreten, sind nicht versichert. Bei Verkehrsrechtschutz entfällt diese Wartezeit meistens. Man sollte sich die Versicherungsbedingungen zum Thema Wartezeit jedenfalls genau anschauen.

Rechtsschutzversicherung ohne Wartezeit

Ist eine Rechtsschutzversicherung sinnvoll?

Eine Rechtschutzversicherung gehört nach Auffassung der meisten Experten zu den sinnvollen Versicherungen. Rechtsstreitigkeiten können sehr teuer werden, und können die meisten Privatpersonen schnell finanziell hoffnungslos überfordern. Viele nicht Versicherte geben schnell nach, wenn sie eine gut versicherte Firma als Gegner haben. Mit einer Rechtschutzversicherung hat man einen starken Rückhalt und ist in der Lage, sein Recht auch durchzusetzen.

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