Finanziella.de – Der Rechtsschutzversicherungs-Vergleich 2017

Was ist eine Rechtsschutzversicherung?

Einfach gesagt: Eine Rechtsschutzversicherung bietet Rechtsschutz, wie der Name es sagt. Was aber bedeutet dies konkret? Nach § 1 der Allgemeinen Bedingungen für die Rechtsschutzversicherung (ARB) erstattet die Rechtsschutzversicherung diejenigen Kosten, die der Versicherungsnehmer für die Wahrnehmung seiner „rechtliche Interessen“ aufbringen muss.
Direkt übernimmt der Versicherer:
die Kosten anwaltlicher Beratung, wenn sich der Versicherungsnehmer außergerichtlich beraten lassen möchte und
die Gebühren für Anwalt und Gericht, wenn der Versicherungsnehmer einen Rechtsstreit führen oder sich in einem Rechtsstreit verteidigen möchte.

Welche Kosten übernimmt die Rechtsschutzversicherung konkret?

Tritt der Rechtsschutzfall ein, übernimmt der Versicherer neben den Anwaltskosten und Gerichtsgebühren alle Kosten, die notwendigerweise entstehen, um den Rechtsstreit angemessen zu führen. Dazu gehören die Gebühren für Zeugen und gerichtlich bestellte Sachverständige, Kosten für die Übersetzung von Dokumenten oder die Einbeziehung eines Dolmetschers und insbesondere die Kosten des Prozessgegners, wenn der Versicherungsnehmer vor Gericht unterliegt. Wird der Versicherungsnehmer im Ausland belangt, gewährt ihm der Rechtsschutzversicherer ein zinsloses Darlehen, um eine oft fällige Strafkaution zu bezahlen. Meist werden auch die Kosten für einen Mediator übernommen, der als neutrale Person außergerichtlich einen Rechtsstreit schlichtet. Es versteht sich, dass Geldstrafen und Geldbußen nicht übernommen werden können.

Welche Bestandteile haben Rechtsschutzversicherungen?

Es gibt keine „Rundum-Sorglos-Pakete“. Wollten Versicherer „Rechtsschutz für jede Lebenslage“ gewähren, wären die Prämien für Versicherungsnehmer und Versicherer kaum mehr kalkulierbar.
Rechtsschutzversicherungen bieten im Rechtsschutzbereich daher vier Module an:

  • Privatrechtsschutz
  • Berufsrechtsschutz
  • Verkehrsrechtsschutz
  • Rechtsschutz für Eigentümer und Mieter von Wohnungen und Grundstücken

Innerhalb dieser Module definieren die ARB im Einzelnen, in welchen Lebenssachverhalten Rechtsschutz besteht und wann Rechtsschutz ausgeschlossen ist. So erfasst der Privatrechtsschutz unter anderem auch den Sozialrechtsschutz für die Wahrnehmung rechtlicher Interessen vor deutschen Sozialgerichten. Nicht aber die Wahrnehmung rechtlicher Interessen aus Bürgschaften, Darlehen, Versicherungsverträgen oder Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Finanzierung, Planung und Errichtung einer Immobilie. Privatrechtsschutz gibt es für Singles und als Familienrechtsschutz, der die Familienangehörigen ebenfalls einbezieht.
Berufsrechtsschutz und Wohnungsrechtsschutz können meist nur in Verbindung mit dem Privatrechtsschutz versichert werden. Im Berufsrechtsschutz wird zwischen Arbeitnehmern und Rechtsschutz für Unternehmen und Freiberufler sowie Rechtsschutz für Vereine unterschieden. Privat-, Beruf- und Verkehrsrechtsschutz werden prämienvergünstigt in Paketen angeboten.

Wer benötigt eine Rechtsschutzversicherung?

40 Prozent aller Haushalte in Deutschland haben eine Rechtschutzversicherung (Quelle Finanztip Stand: 6.5.2016). Ob ein Versicherungsschutz tatsächlich notwendig ist, entscheidet sich nach der individuellen Lebenssituation. Meist empfiehlt sich der Mittelweg. Es braucht nicht alles abgesichert zu werden, was versicherbar ist. Es empfiehlt sich, diejenigen Rechtsbereiche abzusichern, in denen der Versicherungsnehmer für sich überdurchschnittliche rechtliche Risiken sieht und mit hohen Streitwerten rechnet. Um das eigene Risiko abzusichern, kann jeder Interessierte seinen Versicherungsschutz individuell wählen.

Ein entscheidender Aspekt besteht darin, dass die Rechtsschutzversicherung Waffengleichheit herstellt. Wer gegen ein vielleicht übermächtigen Gegner antreten oder sich gegen einen anwaltlich vertretenen Kläger wehren muss, kann meist nur dann effektiv angreifen oder sich verteidigen, wenn er weiß, dass der damit verbundene Kostenaufwand abgesichert ist. Wer rechtsschutzversichert ist, braucht aus Angst vor dem Kostenaufwand zumindest nicht klein bei zu geben.

Welche Kombination der Module ist zweckmäßig?

Der Privatrechtsschutz ist für den Verbraucher das wichtigste Modul und deckt typische Lebensrisiken ab. Wer beim Autohändler ein Montagsauto erwischt, kann sein Recht letztendlich gerichtlich durchsetzen und braucht sich nicht mit Beschwichtigungen abspeisen zu lassen. Der Versicherer zahlt auch die Beratungsgebühr eines Anwalts in familien- und erbrechtlichen Angelegenheiten.

Alles was in diesem Modul nicht versichert ist, muss zusätzlich versichert werden. Wer als Arbeitnehmer besonderen Risiken ausgesetzt ist, kann den Privatrechtsschutz mit dem Berufsrechtsschutz kombinieren. Dabei spielt der Gesichtspunkt eine Rolle, dass der Arbeitnehmer vor dem Arbeitsgericht in erster Instanz die Kosten stets selber tragen muss und die Kosten vom Gegner auch dann nicht erstattet bekommt, wenn er den Rechtsstreit gewinnt.

Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, wählt den Verkehrsrechtsschutz. Rechtsschutz besteht hier für den Fall, dass der Versicherungsnehmer als Halter eines Kraftfahrzeuges und jeder berechtigte Fahrer Ansprüche gegen einen Unfallverursacher geltend macht. Während der Verkehrsrechtsschutz personenbezogen ist, versichert ein spezieller Fahrzeugrechtsschutz ein bestimmtes Fahrzeug bzw. ein Fahrerrechtsschutz ausschließlich den im Versicherungsschein genannten Versicherungsnehmer.

Der Wohnungsrechtsschutz schützt den Mieter, wenn der Vermieter unbegründete Nebenkosten geltend macht. Der Vermieter ist dann abgesichert, wenn der Mieter nach der Kündigung nicht aus der Wohnung auszieht und er Räumungsklage einreichen muss oder der Mieter die Mieterhöhung nicht akzeptiert.

Sind Familienangehörige oder Lebenspartner automatisch mitversichert?

Im Privatrechtsschutz sind neben dem Versicherungsnehmer mitversichert:

  • Ehepartner und eingetragene Lebenspartner (Familientarif)
  • Minderjährige Kinder in der Schul- und Berufsausbildung
  • Volljährige, ledige Kinder ohne eigenes Einkommen bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres

sowie im Verkehrsrechtsschutz jede Person, die berechtigtermaßen das Fahrzeug führt oder nutzt.

Welche Wartezeiten gelten für eine Rechtsschutzversicherung?

Es versteht sich, dass aktuell auftretende Rechtsstreitigkeiten nicht über Nacht in den Versicherungsschutz einbezogen werden können. Der Versicherer bietet Rechtsschutz nur für Streitigkeiten, die nach einer Wartezeit von regelmäßig drei Monaten entstehen. Es nicht möglich, rückwirkend Streitigkeiten einzubeziehen. Rechtsschutz ohne Wartezeit wird ausnahmsweise dann gewährt, wenn vor Abschluss eines neuen Versicherungsvertrages bereits Rechtsschutz bei einer anderen Rechtsschutzversicherung mit gleichem oder vergleichbarem Versicherungsniveau bestanden hat und beide Rechtsschutzverträge übergangslos ineinander übergehen. Auch beim Strafrechtsschutz oder beim Beratungsrechtsschutz in Familienangelegenheiten entfällt meist die Wartezeit.

Ist eine Selbstbeteiligung ratsam?

Es ist für Versicherungsverträge typisch, dass jede Selbstbeteiligung die Prämie reduziert. Je höher die Selbstbeteiligung vereinbart wird, desto geringer ist die Prämie. Der Versicherer spekuliert darauf, dass sich der Versicherungsnehmer infolge seiner Selbstbeteiligung nur auf Rechtsstreitigkeiten einlässt, die er selbst für unabdingbar hält und für aussichtsreich erachtet. Übliche Selbstbeteiligungen liegen bei 150 und 250 €.

Welche Streitigkeiten und Tatbestände können generell nicht abgesichert werden?

Es ist im Leben nicht alles versicherbar. Auch Rechtsschutzversicherer müssen kalkulieren. Es versteht sich im Interesse der Versichertengemeinschaft, dass kein Rechtsschutz besteht, wenn der Versicherungsnehmer den Versicherungsfall vorsätzlich selbst verursacht hat (z.B. mutwillige Sachbeschädigung gekaufter Ware). Jeglicher Strafrechtsschutz ist ausgeschlossen, wenn der Versicherungsnehmer wegen eines Verbrechens, das mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe bedroht ist, angeklagt wird. Wegen des unkalkulierbaren Prozessrisikos erfasst der Rechtsschutz auch nicht Scheidungen und Erbauseinandersetzungen, Streitigkeiten im Wettbewerbsrecht oder Streitigkeiten im Zusammenhang mit einem Privatinsolvenzverfahren. Streitigkeiten im Kapitalanlagebereich werden jedoch vielfach bis zu bestimmten Beträgen abgesichert.

Für welche Fälle wird kein Rechtsschutz benötigt?

Einige Aspekte des Rechtsschutzes werden teils bereits durch die private Haftpflichtversicherung abgedeckt. Wer eine private Haftpflichtversicherung unterhält, braucht sich nicht zu sorgen, wenn er von einem vermeintlich Geschädigten wegen eines Schadens in Anspruch genommen wird. In diesem Fall übernimmt es der Haftpflichtversicherer, den Versicherungsnehmer zu verteidigen. Gleiches gilt im Kfz-Bereich. Wer wegen eines Verkehrsunfalls auf Schadensersatz in Anspruch genommen wird, ist bereits über die eigene Kfz-Haftpflichtversicherung gegen die Inanspruchnahme durch den Geschädigten abgesichert.

Welche Rechtsschutzversicherung ist im Einzelfall empfehlenswert?

Pauschale Empfehlungen kann es sich geben. Wer nur nach dem billigsten Tarif urteilt, schließt Tarife mit eher mäßigen Leistungen ab und riskiert, dass der Versicherer im Streitfall die Kostenübernahme ablehnt. Wer den teuersten Tarif wählt, riskiert, dass er Leistungsbereiche versichert, in denen in seiner persönlichen Situation kaum ein oder überhaupt kein Risiko besteht. Anzumerken gilt es, dass ein weit verbreiteter Versicherer ein wesentlich größeres Beitragsbudget und somit wesentlich bessere Zahlungsmöglichkeiten im Streitfall besitzt. Nur ein ausführlicher Vergleich oder eine kompetente Beratung erleichtern hier jedoch die Wahl.

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